Natur

21 Dez 2012

Was Haus und Hof nicht beanspruchen, nimmt die Natur ein.

Die Wanderpfade führen durch eine erstaunliche Flora und Fauna, die umso anmutiger ist, je mehr man darüber erfährt. Und jede Jahreszeit bringt wiederum neue Entdeckungen mit sich.

Die Ardennen bestehen aus weitläufigen Wäldern und landwirtschaftlichen Anbauflächen, die von Baumgruppen und Hecken bestanden und von Bächen oder Flüssen durchzogen sind. Das Relief in Form einer Ebene mit teilweise steilen Taleinschnitten lässt der Natur genügend ungenutzten Spielraum, um eine reiche Artenvielfalt zu entwickeln. Viele Naturschutzgebiete sind hier eingerichtet, doch auch sonst warten allenthalben überraschende Beobachtungen, die einen unglaublichen Zauber versprühen, ohne dass irgendeine Menschenhand nachhelfen musste. Im Gegenteil …

Ourthe und Bäche

Ungezählte Säugetiere, Vögel, Fische, Insekten und Wasserpflanzen finden hier ideale Lebensbedingungen vor. An den sauerstoffreichen und relativ sauberen Gewässern der Ardenne fühlen sie sich heimisch. Hinzu kommt die Ruhe in den eingekesselten Tälern, die viele Arten für ihre Lebensweise benötigen.

Einige Beispiele: Biber, Wasserhahnenfuß (Ranunkel), Ufer-Erlen, Wasseramseln, Eintagsfliegen, Groppen, Bachforellen u. a. m.

Laubwald

Wie Sie bei den Themenwanderschleifen schon gesehen haben, führt die Wanderroute stellenweise tief in den Laubwald hinein, der hier aus alteingesessenen Buchen und Eichen besteht, doch findet man an Lichtungen auch Ahorn, Esche, Eberesche und anderes mehr. Dieses sehr vielseitige Lebensmilieu beherbergt eine entsprechend artenreiche Fauna und Flora.

Einige Beispiele: Wildschwein, Schwarzspecht, kleiner Schillerfalter, Zipfelfalter, Eisvogel, Marder, Fingerhut u. a. m.

Dörfer

Die Natur lebt mitten unter uns, direkt vor unseren Augen, teilweise so unauffällig, dass wir es gar nicht merken. Wir müssen nur zulassen, dass Mensch und Natur wie hier auf dem Land und in den Dörfern eine Koexistenz führen. Das heißt keine Pestizide, Fungizide und Insektizide mehr in unseren Gärten oder in der Nähe unserer Häuser. Inzwischen weiß man, dass diese Mittel einen folgenschweren Eingriff in das natürliche Gleichgewicht und auch in unser Menschenleben bedeuten.

Lassen wir rote Lichtnelken, Löwenzahn und Marienkäfer ebenso in Frieden wie die Spinnen. Und wäre es nicht schöner, die Schwalben im Frühjahr wieder begrüßen zu können, als ihre Nester mit einem Besen zu zerschlagen? Vergessen wir auch nicht, dass Maulwürfe im Garten nur Insekten fressen und nicht unser Gemüse. Bei Fuchs und Steinmarder reicht es, wenn wir unsere Hühner nachts in den Stall holen!

Felsen und alte Gemäuer

Das Kesselrelief, das die Ourthe im Laufe der Jahrtausende durch steten Tropfen geschaffen hat, lässt Felswände (Hérou), Felskämme entlang der Täler und kleinere, aber oft bemerkenswerte Massive vor dem Auge des Betrachters emporragen. Alte Steinbrüche sind in dieser Landschaft häufig anzutreffen. In den Dörfern oder an Feldern und Wegesrändern, wo die Höhenunterschiede nachlassen, sind zahlreiche Trockensteinmauern errichtet, die ihrerseits ein vollwertiges Biotop für eine erstaunliche Kleintierwelt bilden.

Einige Beispiele: verschiedene Arten Fledermäuse, Farn, Zaunkönige, Blindschleichen, Eidechsen, Feldheuschrecken …

Hochlandweiden Überall auf der Hochebene findet man sowohl intensiv bewirtschaftete als auch naturbelassene Weideflächen. Je weniger der Mensch eingreift, umso reicher die Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren. Manche Weiden, die nicht gedüngt und nur einmal im Jahr gemäht werden, erweisen sich sogar als wahre Naturschätze.

Einige Beispiele: Hase, Margerite, Mohnblume, Saat-Wucherblume, Lerche, Grashüpfer, Feldheuschrecke u. a. m.

Nadelwälder

Obwohl die Fichtenwälder nicht so artenreich wie die Laubwälder sind, beherbergen sie doch ihre eigene kleine Welt. Pflanzen sind eher selten, weil der Boden zu schattig und durch den langsamen Abbau der Nadeln auch zu sauer ist, dafür aber trifft man auf Tiere, die hier einen geeigneten Lebensraum vorgefunden haben.

Einige Beispiele: Eichhörnchen, Fuchssches Greiskraut, Kreuzschnäbel, Fichtenborkenkäfer u. a. m.

Tümpel und Feuchtwiesen

Durch natürliche Anlandung oder menschliches Einwirken sind Tümpel und Feuchtwiesen im Laufe der Zeit zurückgegangen. Für die Natur sind sie aber äußerst wichtig. Deshalb haben ehrenamtliche Helfer oder Mitarbeiter lokaler oder sogar europäischer Projekte damit begonnen, sie neu anzulegen. Sie kennzeichnen sich durch besondere biotopische Merkmale, konstante Feuchtigkeit und menschengemiedene, ruhige Plätze, die für viele Arten einen vorzüglichen Lebensraum darstellen.

Einige Beispiele: Frösche, Kröten, Echtes Mädesüß, Schwarzstörche, Libellen u. a. m.

Vennlandschaft des Plateau des Tailles

Das Plateau des Tailles ist ein regionaler Naturschatz mit faszinierenden Mooren. Die großflächig stehenden Wasserreserven versickern nach und nach im Boden und lassen somit bemerkenswerte Lebensräume entstehen.
Torfmoore, saure Bäche, Mardellen, Heideland …

in dieser Vennlandschaft wachsen ganz besondere Pflanzen, wie Wollgräser, Sumpf-Blutaugen, Moorlilien, Torfmoose, Sonnentau und Moosbeeren. Auf diese Vegetation sind auch die Tiere, die hier leben, direkt angewiesen: Libellen und besondere Schmetterlingsarten, Nördlicher Raubwürger, Neuntöter, Schwarzkehlchen, Sumpfschnepfe, Reh, Hirsch …

Hecken und Gebüsch

Ein paradiesisches Gestrüpp, in dem kleine Säugetiere, Vögel, Insekten, Pilze und Wildkräuter vor unseren Blicken geschützt sind. Hier kann diese kleine Welt in aller Ruhe gedeihen. Wem immer es dort gefällt, darf sich einnisten, ohne dass der Mensch sich einmischt. Hecken und Gebüsche markieren nicht nur die Grundstücksgrenze, sondern spielen auch eine wichtige Rolle als Biotopverbund, in dem Individuen einzelner Arten (sowohl Tiere als auch Pflanzen) den Weg von einem Linienbiotop zum nächsten schaffen und somit den genetischen Austausch untereinander fördern. Und was bietet sich dem

Beobachter hier? Haselmäuse, Gemeiner Schneeball, Amseln, Wespen, Champignons und vieles mehr.

Am Wegesrand

Der oft trockene und offen ausgesetzte Wegessaum wartet mit eigenen kleinen Naturwundern auf. Dieses Biotop ist allerdings nicht überall vorhanden, und wie die Hecken kann es als Biotopverbund fungieren. Der Wegesrand ist ein beliebter Lebensraum für bestimmte Insekten, Säugetiere und Pflanzen, die hier zur Entfaltung kommen.

Ginster am Wiesenrand, Sand-Thymian, Ameisen, Schnecken und ihre Räuber, wie Meise, Fink oder Igel, leben hier mit Spitzmaus, Amsel und weiteren Nachbarn zusammen.